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Zweifel an der Tech-Oligarchie

Marco Herack
Marco Herack
8 minuten gelesen
Zweifel an der Tech-Oligarchie

Kommt euch das bekannt vor?

Angesichts der drohenden Einführung von Zöllen auf iPhones im August drohten Apple Inc. Gewinneinbußen in Milliardenhöhe. Der Vorstandsvorsitzende Tim Cook wandte sich an einen seiner wichtigsten Kontakte in Washington, Jared Kushner. Kushner arrangierte ein Telefonat zwischen Cook und seinem Schwiegervater, Präsident Trump, wie aus Kreisen bekannt wurde, die mit dem Gespräch vertraut sind. So hatte der Apple-Chef Gelegenheit zu erklären, dass die Zölle zu einem Anstieg der iPhone-Preise führen und die Wettbewerbsfähigkeit von Apple gegenüber Konkurrenten wie Samsung Electronics Co. beeinträchtigen würden. Innerhalb weniger Tage reduzierte die Trump-Regierung ihren Zollplan, um eine Reihe von Elektronikprodukten, darunter iPhones, auszunehmen, mit der Begründung, sie wolle die Verbraucher vor der Weihnachtssaison schützen. Der Anruf von Herrn Cook habe die Entscheidung beeinflusst, sagte eine der Regierung nahestehende Person. (Übersetzt mit DeepL.)

Dieser Vorgang ist aus dem Jahre 2019. Das Wall-Street-Journal (WSJ) hatte seinerzeit im Oktober 2019 einen ausführlichen Artikel darüber veröffentlicht, wie Tim Cook das Ohr von Donald Trump errungen hat.

Es war im Grunde simpel: Schweigen. Wenn Donald Trump Blödsinn redete, auch über Tim Apple, dann schwieg sich Cook aus. Er ließ Trump den Raum. Er erklärte seine Position im direkten Gespräch. Er erklärte Zölle, deren Wirkung auf Preise und Arbeitsplätze. Er nahm Trump ernst und begegnete ihm devot, aber auf Augenhöhe.

Andere Unternehmer und CEOs hielten das anders. 2019 war die Zeit, in der Unternehmen in den USA plötzlich soziale Verantwortung entdeckten und ihre Stakeholder in den Mittelpunkt stellten. Etwas, das komplett mit Donald Trumps Denken über Kreuz lag. Diese Veränderung im Denken US-amerikanischer Unternehmen wurde über den BRT (Business Roundtable) verkündet. Ein Lobbyverband, in dem sich die Vorstände (CEOs) der größten Unternehmen zusammentun und ihre Interessen vertreten. Zum Beispiel geringere Vorstandshaftung.

Schon in 2017, nachdem Trump ins Amt kam, sind diverse CEOs aus einem Beratergremium des Präsidenten ausgetreten. Es war eine Art Vorstandsaufstand gegen Trump, dem jedoch nicht alle folgten. Die, die stillhielten, hatten es in der Folge leichter.

Es ist die Erfahrungen dieser Jahre, die Corporate America lehrte, dass die Kooperation mit Trump im Zweifel mehr bringt als die Opposition und das öffentliche Kritisieren. Tim Cooks Erfolg und die Berichte darüber im bspw. Wall-Street-Journal waren die Basis, um Cook als ‚Role Model‘ für die Vorstandsetagen zu etablieren, die versuchen durch Trump II zu navigieren.