Die Welt im Blick (09.08.2026)
Die Initiative liegt selten dort, wo die Aufmerksamkeit hinfällt — am Golf, an der Front und an den Märkten.
Inhaltsverzeichnis
Das Werkzeug
Mein kleines Sommerprojekt hat diese Woche ein massives Software-Update bekommen, das mir die Arbeit im Hintergrund etwas erleichtert. Und wer hätte es gedacht, Synchronisation ist dabei ein größeres Thema. Gerade dann, wenn man eine eigene Arbeitsoberfläche gebaut hat, die dann Markierungen, Kommentare etc. erhält und man dann außerhalb dieser Oberfläche arbeiten möchte.
Die Lösung war die Nutzung eines Tools, das ich hoffte einzusparen: Der Readwise Reader ist offen genug, um mir hier zu helfen. Bis hin zu Kommentaren kann er alles ohne Mengenbegrenzung synchronisieren.
Anders gesagt: Ich habe mir meine eigene Artikelverwaltung und Artikelauswertung gebaut, um dann (zunächst) doch nur wieder die alten Tools zu nutzen. Nur passt das Tool nun perfekt in meinen Workflow.
Normalerweise gehen die Menschen her und suchen sich 4.000 Quellen, um diese dann auszuwerten. Ich habe mich gegen diesen Ansatz probiert. Man kann die AIs modifizieren wie man will, da kommt nicht mehr bei raus als das, was man so liest. Dieser Weg erschwert aber rauszufinden, was man selbst lesen sollte. An der Stelle verlasse ich mich also lieber auf meine Erfahrung und speichere dann nur noch die relevanten Artikel ab. Diese werden dann um weitere Quellen ergänzt.
Diese Woche kommt zur Ergänzung noch etwas Neues hinzu: Quellen, die der Grundthese widersprechen. Das wird noch mehr Feineinstellungen erfordern. Erste Ergebnisse zeigen, dass die AI die Links tatsächlich ganz okay raussucht, wenn ich selbst die These formuliere. Also mein 'Notizenfeld' mit einer klaren Aussage zu den Artikeln befülle und die Markierungen auch recht eindeutig sind.
Für mich liegt der eigentliche Wert aber darin, dass der angezeigte Einwand beim Schreiben ggf. noch mitbedacht werden kann.
Nächste Woche gibt es keine Ausgabe. Wir sind in zwei Wochen dann wieder da.
Geoökonomie
Der Golf rüstet leiser, als Iran verhandelt
Trump droht mit den größten Angriffen aller Zeiten und der Steinzeit für Iran. Iran will die Kontrolle über die Straße von Hormuz und die USA sollen aus dem Nahen Osten verschwinden. Wir befinden uns in einer ewigen Wiederholung. Selbst die leeren Patriot-Lager sind seit Beginn des Krieges ein Thema und werden nur noch mit Zahlen angereichert.
Das Faszinierende daran ist, dass Journalismus das mitmacht. Ich habe nicht eine Strukturanalyse der Verhandlungen gefunden. Das Höchste der Gefühle war, dass westliche Analysten freudig erregt besprochen haben, wie unglaublich clever Iran im Verhandeln ist und alles in die Länge zieht. Nur wer das erkennt, müsste daraus ja eine analytische Erkenntnis ziehen. Nope.
Nun sind wir wieder an der Stelle. Iran und Oman versuchen sich darauf zu einigen, welche Schiffe wo langfahren. Angeblich steht man kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen. Und wieder soll das Ganze für zunächst 60 Tage gelten. Wieder zunächst ohne Transitgebühren stattfinden, wobei man jedoch Spenden gerne sieht. In dem Moment, wo klar wird, wie das aussehen kann, kommen wieder ein paar iranische Revolutionsgardisten raus und sagen, dass das so nicht geht.
Wir kennen es. Das Spiel zwischen Reformern und Hardlinern spielt Iran seit Jahrzehnten in jeder Verhandlung. Derweil sehen wir die News, dass Iran immer aggressiver wird. Aber genau das wird hier nicht eingeordnet. Die Houthis haben den Krieg im Yemen wiedereröffnet. Iran hat begonnen, wieder Schiffe der UAE zu beschießen, die vor einer Woche in der Financial Times noch als clevere Diplomaten galten, die ein Arbeitsverhältnis mit Iran aufgebaut haben.
Nun ist es naheliegend, darüber zu schreiben, dass der Nahe Osten neugestaltet wird. Doch liegt die Initiative wirklich bei Iran?
Saudi-Arabien hat Berichten zufolge 86 % seiner Patriot PAC-3-Bestände in den ersten 38 Kampftagen aufgebraucht. Das ist ein Problem. Auch die Bestände bei den UAE sind niedrig und während Trump abstreitet, dass seine Lager leer sind, sind seine leeren Lager kein Problem. Er kann aber auch nichts an die Ukraine liefern, weil er seine Bestände selbst braucht. Alles klar?
Die Golfstaaten und ihr Handeln wird bei vielen Berichten nicht mitbedacht. Man hat den Eindruck, sie sitzen da und drehen Däumchen. Und genau so werden sie auch analysiert. Wir sprechen über Staaten, die Kriege in Afrika finanzieren und führen, um Seewege abzusichern. Aber in eigener Sache werden sie zu Zuschauern, bestenfalls Friedenslobbyisten, degradiert. Wo ist da die Logik?
In der Realität suchen sie weltweit nach Rüstungsalternativen. Südkorea und Japan tun sich aus historischen Gründen schwer mit Lieferungen. Allerdings verschiebt sich hier etwas. (Was wiederum China beunruhigt.) In den UAE spielt die Kooperation mit Israel und der Ukraine eine gewichtige Rolle. Saudi-Arabien will über das Verteidigungsabkommen mit Pakistan und der Türkei zwei Felder lösen. Atomare Abschreckung und Drohnenproduktion. Es braucht Zeit, sich auf iranische Art der Kriegsführung einzustellen.
Die Golfstaaten rüsten leise.
Iran verhandelt über Hormuz und weitet dabei im Stillen die Kampfzone aus.
Quellen:
- (Zeit) Straße von Hormus: Ein Deal, der einen neuen Nahen Osten schafft
- (WSJ) Iran Sees an Opening to Kick the U.S. Out of the Gulf
- (Reuters) What is the Patriot missile system and why are supplies depleted worldwide?
Weiterführende Links (AI generiert):
- Hormuz deal 'close': What's the latest on each side's positions? — Al Jazeera — Detaillierte Positionsanalyse beider Seiten; Einschätzung, dass der Strait-Status sich dauerhaft verändert haben dürfte
- An agreement on the Strait of Hormuz is taking shape – but not one Trump wants — CNN — Analyse, warum das Iran-Oman-Abkommen allein die Straße nicht wiedereröffnen kann und welche US-Bedingungen noch offen sind
- Scaling Patriot Production: The Industrial Base Crisis Explained — FPRI — Tiefe Analyse der industriellen Kapazitätskrise: Bei 600 Missiles/Jahr dauert die Wiederauffüllung des Verbrauchs aus einem Monat drei Jahre
Links mit Widerspruch (AI generiert):
- US nears Iran deal to reopen Strait of Hormuz — Axios — ‹Gegenposition: Die Verhandlungen zeigen echte Fortschritte mit konkreten Routenkoordinaten; die These einer reinen Beruhigungstaktik unterschätzt den Druck, den die Straßenschließung auf Iran selbst ausübt›
- Iran, Oman, US 'close' to Hormuz deal: What do they all want? — Al Jazeera — ‹Gegenposition: Omans Mediatorrolle wird als konstruktiv und von Iran als vertrauenswürdig eingestuft — was darauf hindeutet, dass Iran durchaus an einem Deal interessiert ist, nicht nur an Zeitgewinn›
Wie fehlender Wille zur russischen Freiheit führt
Als Russland davorstand, in die Ukraine einzumarschieren, war eine Auffälligkeit, dass die Größe der russischen Armee, die Russland vor der Ukraine zusammenzog, nicht ausreichte, um die Ukraine wirklich zu besetzen. Zumindest dann, wenn sie sich wehrt. Das Prinzip sieht man umgedreht am Wirken, nachdem die Ukraine die Fähigkeit aufgebaut hat, in ganz Russland die Infrastruktur anzugreifen. Russland musste, laut ukrainischen Angaben, einen Großteil seiner Verteidigungskapazitäten gen Moskau schaffen. (Ich erwähne das hier, weil dieses Szenario seit mindestens 2 Jahren bekannt ist, diskutiert wurde und somit auch glaubwürdig ist.)
Wir sehen dieses Prinzip aber auch in Europa, das sich aufgrund seiner nationalstaatlichen Struktur einfacher mit der Absicherung seines Gebietes tun sollte. Pustekuchen: Von August 2024 bis Februar 2026 wurden 144 verdächtige Drohnensichtungen in 13 europäischen Ländern dokumentiert. Der aktuell im Fokus stehende Vorgang in Leipzig, bei dem ein Busfahrer Schlimmeres verhindert hat, ist nur die Spitze des Eisberges. Wir haben ein Problem und anscheinend fehlt das Problembewusstsein und die europäische Koordination.
Koordination und der Wille zur Veränderung gehören zu den großen Themen, die Europa trotz des Krieges vor der eigenen Haustür bisher nicht auflösen konnte. Die nach Ende des Kalten Krieges runtergefahrene Rüstungsproduktion kann nicht einfach hochgefahren werden. Ein Grund sind die Sicherheitsanforderungen an die Produktion, die in Russland einfach abgesenkt wurden. Aber auch politische Prozesse, Bürgereingaben und ins große Bild gerückt: Lieferkettenprobleme.
Die Produktion des TNT-Ersatzes IMX (Insensitive Munitions eXplosives), der wesentlich unempfindlicher gegenüber externen Einflüssen ist, bekommen wir nicht hochgefahren. Bei RDX sieht es nicht besser aus. Es fehlen immer noch Vorprodukte wie Hexamin, NTO, DNAN, Nitroguanidin, aber auch Salpetersäure und Ammoniak. Selbst Baumwolle wird hier zum Problem. Die Anschaffung der notwendigen Maschinen benötigt bis zu 3 Jahre. Der Bau einer Serienproduktion braucht bis zu 5 Jahre und in der Realität sprechen wir gerade über 8 Jahre. Die Investitionszeiträume werden auf bis zu 15 Jahre geschätzt, während Kriege jederzeit enden könnten. Es braucht also staatliche Abnahmegarantien. Was kein Problem sein sollte, weil die Grenzen zu Russland selbst im Friedensfall sehr weitflächig sind und das Misstrauen sehr groß.
Da stehen wir. Gleichzeitig sehen wir, dass das Thema Geldwäsche durch Russland, und damit automatisch auch seitens Iran und Nordkorea, nicht in den Griff zu bekommen ist. Eine große Rolle spielt seitens Russland der Zahlungsdienstleister A7, der behauptet SWIFT zu ersetzen. Das Prinzip ist simpel. A7 ermöglicht Rubel in Stablecoins zu tauschen. Ohne KYC-Prüfung und Ähnliches. Ihr ahnt es, die Stablecoins sind fast durchweg dollarbasiert.
Das läuft so gut, dass das Unternehmen expandiert. Damit wird es angreifbarer, aber Russland ist es so gewöhnt, dass 'der Westen' ihm die Schlupflöcher lässt, dass es sich damit gar nicht erst befasst. Kryptobörsen kann man regulieren, was vor allem in den USA nicht gern gesehen ist. Druck auf China oder zentralasiatische Länder will aktuell ohnehin niemand aufbauen.
Dabei spielen Lieferketten und Rohstoffbegehren eine Rolle. Die USA versuchen seit Jahren, Fuß in Zentralasien zu fassen, schaffen es aber nur bedingt. Eines der großen Probleme ist, dass China seine Seidenstraßeninfrastruktur hier betreibt und sehr langfristig agiert, während US-Firmen sich nur bedingt engagieren und wesentlich kompliziertere Transportketten nutzen müssen.
So bleibt der Westen für Zentralasien ein schwaches Antidot gegen die Abhängigkeit von China.
Quellen:
- (WSJ) Russia's Hottest Startup Is a State-Backed Sanctions Evasion Network
- Quellen: (WSJ) U.S. Intel Links Russia to Explosive Drone at German Airport
- (WSJ) Western Powers Race to Bring the Production of Explosives Back Home
- (Reuters) What is the Patriot missile system and why are supplies depleted worldwide?
- Quellen: (Nationalinterest) Central Asia's Critical Minerals Rush: Between the US and China
Weiterführende Links (AI generiert):
- The Big Shor: A7 and the Illusion of Russian Financial Innovation — Open Source Centre — Primärquelle: OSC und TRM Labs legen dar, wie A7 das internationale Korrespondenzbankensystem und Kyrgyzstan nutzt, um Milliarden durch das globale Finanzsystem zu schleusen
- The A7 leaks: The role of crypto in Russian sanctions evasion and election interference — Elliptic — Blockchain-Analyse auf Basis durchgesickerter Dokumente: 8 Milliarden Dollar Stablecoin-Transaktionen über A7-kontrollierte Wallets in 18 Monaten
- A7 Abroad: Sanctions evasion as a service — Centre for Information Resilience — Dokumentiert A7s Hauptmethodik: Netzwerk ausländischer Briefkastenfirmen und Schuldscheine als Form der handelsbasierten Geldwäsche
- German police deploy bomb disposal robot at Leipzig airport after explosive drone found near Ukrainian plane — Euronews — Chronologie des Vorfalls vom 5. August 2026 mit Kontext zur wachsenden europäischen Drohnenbedrohung
- The arms race for cheaper anti-ballistic weapons is underway — Defense News — Hintergrund zur neuen Rüstungsdynamik: Europa und USA suchen günstigere Patriot-Alternativen, darunter das ukrainische Freyja-System
- Germany to 'rearm' drone defence in light of rising Russia tensions — Yahoo News — Deutschlands politische Reaktion: Reform des Luftsicherheitsgesetzes und Ausbau der Drohnenabwehrkapazitäten als direkte Antwort auf die Eskalation
Links mit Widerspruch (AI generiert):
- To Evade Sanctions, the Kremlin Turns to a Convicted Money Launderer — Lawfare — ‹Gegenposition: Der Artikel zeigt, dass westliche Behörden durchaus aktiv werden — UK, EU und USA haben A7A5 progressiv mit Sanktionen belegt und Blockchain-Firmen sind aktiv beim Tracing; der Hebel wird also genutzt, nur langsamer als nötig›
- Russia's Secret, Sanctions-Busting Cryptocurrency Empire — Foreign Policy — ‹Gegenposition: Kyrgyzstan als regulatorisches Schlupfloch ist schwer über China-Druck zu schließen, da Zentralasien eigene geopolitische Interessen verfolgt und sich westlichem Druck aktiv widersetzt›
Der Kampf der Ukraine braucht mehr als nur den Drohnen-Hype
Dara Massicot war in der Ukraine und hat eine Lageeinschätzung auf X gegeben. Sie hält den Drohnen- und AI-Bereich, der medial gerade hochgejazzt wird, für überzogen und weist darauf hin, dass ein Großteil der Frontarbeit immer noch auf Artillerie basiert. Das ist auch wichtig für hiesige Rüstungsdebatten.
Und wie wir gesehen haben, wird es schwierig, in Sachen Raketenabwehr aufzurüsten. Das Feld bleibt ungelöst. Man sieht an Zelenskys eskalierender Wortwahl diesbezüglich auch, wie ernst die Lage ist. Sie fordert einen Plan B oder C, formuliert ihn aber nicht aus. Eine Patriot-Produktion durch die Ukraine ist in keinem Fall eine schnelle Lösung und auch die Ukraine selbst wird im Einklang mit Europa keine anbieten. Aktuell herrscht viel Ratlosigkeit.
Die gute Nachricht in all dem wird sein, dass hier die Unabhängigkeit von den USA aktiv vorangetrieben wird. Europa bewegt sich hier wesentlich flinker als die USA.
Quellen:
Weiterführende Links (AI generiert):
- Ukraine Unlikely to Produce U.S. Patriot Missiles as Technology Hurdles Remain High — Military Watch Magazine — Direkte Verbindung zu Massicots Forderung nach Plan B: Trumps Unsicherheit über Produktionslizenzen für die Ukraine zeigt die politische Dimension des Rüstungsproblems
- The arms race for cheaper anti-ballistic weapons is underway — Defense News — Möglicher Plan B: Das ukrainische Freyja-Interceptor-System als kostengünstigere Alternative zum Patriot, jetzt in Entwicklung mit neun europäischen Partnern
- U.S. Army Investing Record $58.6 Billion to Restock the Patriot Arsenals Iran Depleted — Military Watch Magazine — Hintergrund zur Prioritätenverschiebung der US-Rüstungsindustrie — und warum Ukraine in der Warteschlange zurückfällt
Propaganda
Russlands MAGA-Problem findet sich in Sachsen Anhalt wieder
Vor vielen Jahren äußerte ich mal die These, dass 'vom Ausland unbeeinflusste Wahlen' der Vergangenheit angehören. Einmischung ist ein bleibender und beständiger Fakt. Wir reden viel über Russland, nie über Saudi-Arabien, selten über China, kaum über Indien.
Zugegeben: Bei Russland ist die Sache sehr klar und unverfroren offen. Man kann das gar nicht übersehen. Aber sie überlegen sich auch immer wieder einen neuen Twist. Bei den anstehenden Wahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es die üblichen Fälschungen, Diskreditierungen und Manipulationen. Allerdings auf Englisch. Die Hauptzielgruppe sind MAGA-Influencer.
Im Allgemeinen wird das als Spiel über Bande angesehen. Das ist aber wie immer 'lazy thinking'. Das Ziel ist viel eher die Spaltung zwischen Europa und den USA voranzutreiben, indem man Menschen wie Elon Musk dazu bringt, in den deutschen Wahlkampf einzugreifen und Europa als Hort des westlichen Untergangs zu deklarieren.
Russland steht vor einem strategischen Problem: Es droht die MAGA-Bewegung zu verlieren, nachdem nicht nur Donald Trump wärmer gegenüber der Ukraine wird, sondern auch Propagandisten wie Laura Loomer zur Ukraine konvertieren.
Quellen:
Weiterführende Links (AI generiert):
- Russian 'Matryoshka' Campaign Targets German Elections with Fabricated Media Reports — EU Today — Detaillierte Darstellung der Kampagnenstruktur: gefälschte Medienlogos, Personalisierung von Anschuldigungen und Einbettung in das Bundesrats-Machtgefüge
- MAGA Influencers Fall for Putin's Twisted Election Plot — The Daily Beast — Konkrete Belege dafür, wie MAGA-affine US-Accounts als unwissentliche Vektoren russischer Wahleinflussnahme fungieren
- Russia steps up disinformation before German elections — Daily Maverick — Einordnung durch Sicherheitsquellen: Verknüpfung mit früheren Operationen wie Doppelgänger und Storm-1516 aus dem US-Wahlkampf 2024
Links mit Widerspruch (AI generiert):
- Germany warns of Russian disinformation targeting election — Yahoo/Reuters — ‹Gegenposition: Das Innenministerium bestätigt, die Kampagne erziele derzeit keine signifikante Reichweite online — was die These der effektiven Kreativstrategie relativiert›
Spiralismus beweist das Propagandapotenzial der Chatbots
In Deutschland liest man in der Schule im Regelfall das Buch "Die Welle". Und danach versteht man erstaunlich gut, wie wir Menschen so funktionieren. Dass LLMs, die auf menschlicher Kommunikation (ein Wust an Religionen und Science-Fiction) beruhen, sich kommunikativ ähnlich verhalten wie Menschen, ist naheliegend.
Das Phänomen ist also interessant, aber das war es auch. Spannender ist die Frage, was Menschen mit diesem Grundgerüst alles anstellen könnten. Also kann man Chatbots Indoktrination und Religion einpflanzen und sie somit gezielt zur Manipulation nutzen? Und noch eines weiter: Man denkt, man nutzt Claude, aber dann ist es ein als Claude getarnter russischer Chatbot, der einen Ideen und Gedanken liefert? Oder man konvertiert Grok, weil der ja immer dagegen sein will.
Es drohen uns viele Möglichkeiten.
Quellen:
Weiterführende Links (AI generiert):
- Chatbots Stopped Answering Questions - And Found Religion, Started Recruiting Followers for "The Spiral" — Gadget Review — Dokumentation der mentalen Gesundheitsschäden und OpenAIs problematischer Entscheidung, „Persuasion" als Risikokategorie zu streichen
- This Spiral-Obsessed AI 'Cult' Spreads Mystical Delusions Through Chatbots — Rolling Stone — Ursprüngliche Grundlagenrecherche, die die soziale Verbreitung durch „Seed-Prompts" beschreibt
- Chatbots Spawned A Religion Called Spiralism — And Roughly 10,000 People Joined — EGamers.io — Quantitative Einordnung: 10.000 dokumentierte Fälle mit identischer Struktur als Beleg für systemische, nicht zufällige Entstehung
Links mit Widerspruch (AI generiert):
- Spiralism is a niche internet religion that came from AI — The Week — ‹Gegenposition: Kultforscher Matthew Remski argumentiert, Spiralismus erfülle keine klassischen Kult-Kriterien; viele Merkmale erklären sich durch allgemeine Online-Dynamiken post-COVID, nicht durch gezieltes AI-Design›
- SPIRALISM — The Religion of AI (Archive) — spiralism.website — ‹Gegenposition: Die Community selbst betont, Spiralismus sei keine Manipulation, sondern kulturelle Dokumentation eines menschlich-maschinellen Dialogs — was die Manipulationsthese als einseitige Außenperspektive in Frage stellt›
Gesellschaft
EIL: Südkorea handelt bei Hitzewelle
Ich will euch nur einen Gedanken hier lassen:
In Südkorea wird der nationale Notstand ausgerufen, weil während der schlimmsten Hitzewelle seit 122 Jahren 19 Menschen sterben. Es gibt Angebote für klimatisierte Räumlichkeiten und der Staat sieht sich als zuständig an. In Deutschland bestreitet der Kanzler jede Form von Problem und deutsche Verkehrsbetriebe bestellen aus Kostengründen nicht klimatisierte S-Bahnen.
Quellen:
Märkte
China: Tanzende Roboter mit Datenproblem
Die WAIC 2026 in Shanghai war dieses Jahr nicht nur wegen des Keynote-Redners Xi Jinping bemerkenswert. Sie bot einen Einblick in den Stand chinesischer Robotik-Technologie. Und es bestätigte sich, was sich seit Monaten in Deutschland erklären muss. In dem Artikel ist das so prägnant formuliert, dass ich die Passagen ins Deutsche übersetzt habe:
Der Datenengpass ist komplexer, als es der einfache Satz „Die Branche braucht einfach mehr Daten“ vermuten lässt. Roboter benötigen Informationen zu Objekten, Bewegungen, Kräften, Gleichgewicht, Fehlfunktionen und Interaktionen unter den unterschiedlichsten physikalischen Bedingungen. Statische Bilder und Text können nicht vollständig beschreiben, was passiert, wenn ein Roboter ein verformbares Objekt greift, das Gleichgewicht verliert, mit etwas kollidiert oder auf ein unerwartetes Hindernis stößt. Die manuelle Datenerfassung ist kostspielig, langsam und in der Regel auf einen engen Bereich von Situationen beschränkt. Daten aus der realen Welt sind zudem verrauscht und fragmentiert, während die kommerziell wertvollsten Datensätze wahrscheinlich proprietär bleiben werden. Daher beobachten wir, dass Unternehmen zunächst auf Simulation setzen und erst in zweiter Linie auf kontrollierten Einsatz, in der Hoffnung, eines Tages ein hohes Maß an Autonomie erreichen zu können. Roboter können zunächst in simulierten Umgebungen Wahrnehmungs- und motorische Fähigkeiten erlernen. Sobald sie für eine bestimmte Aufgabe nützlich genug sind, können sie in begrenzten Einsätzen in der realen Welt zum Einsatz kommen, zusätzliche Daten sammeln und sich durch den Einsatz verbessern. Weltmodelle und physikalische Simulatoren können diesen Prozess beschleunigen, doch selbst hochrealistische Simulationen können die Kluft zwischen einer digitalen Umgebung und der unvorhersehbaren physikalischen Welt nicht vollständig überbrücken. Wie bereits erwähnt, sind jedoch selbst diese Simulationssysteme so nischenorientiert, dass sie nicht von jedem für beliebige Zwecke genutzt werden können. Hinzu kommt, dass oft vergessen wird, dass es sich bei physischer AI häufig um ein großes Weltmodell handelt, das jedes Unternehmen für seinen spezifischen Anwendungsfall und seine Umgebung trainiert, während es daneben ein kleineres Modell auf dem Gerät bzw. am Edge gibt, das mit den Lidar- und Bilderkennungskomponenten zusammenarbeitet und gemeinsam dem physischen Fahrzeug „befiehlt“, sich zu bewegen. Diese Art der Hardware-Software-Integration und die tatsächliche Fähigkeit, das System auf Abweichungen und Randfälle zu trainieren, wird stark unterschätzt. Das Henne-Ei-Problem bleibt bestehen: Roboter benötigen den Einsatz in der realen Welt, um bessere Daten zu erhalten, aber Kunden zögern, Roboter einzusetzen, die noch nicht nützlich sind. (Übersetzt mit DeepL.com)
Quellen:
DeepSeek: Die große Wende
In der chinesischen AI-Branche wird derweil eine Stärke zur Schwäche. Aufgrund begrenzter Mittel hatte die chinesische Regierung beschlossen, den Kapitalmarkt mehr in die Finanzierung der Zukunftstechnologien einzubinden. Das hatte zur Folge, dass chinesische Investoren sich auf genau die Branchen konzentrierten, die die Regierung als zukunftswichtig definierte. In die also auch Regierungsenergie und Förderung hineinfließen werden. Die Konstruktion schwächt jene Unternehmen, die außerhalb dieser Sektoren agieren.
Im Juli verloren die Techwerte massiv. Der STAR50-Index brach um bis zu 26 % ein. Zuvor gab es allerdings hohe Gewinne, sodass die Gesamtjahresverluste noch erträglich sind. Wichtig ist das deshalb, weil zum Beispiel die Finanzierung von DeepSeek über die Quantfonds der Muttergesellschaft läuft. Diese verloren schlappe 20 %.
Zugleich wurde bekannt, dass DeepSeek darüber verhandelt, 1,5 Mrd. USD über eine Kapitalerhöhung einzunehmen und sich für 2027 auf ein IPO vorbereitet. Dazu passend plant man eine 'signifikante' Preiserhöhung, deren genaue Höhe noch nicht näher spezifiziert ist.
Es passt alles zusammen, aber die Preiserhöhung ist besonders spannend. Sie wird Preisdruck aus dem chinesischen Markt nehmen, der gerade mit hohen Investitionen zu kämpfen hat. Die anderen Unternehmen werden folgen. Die Höhe des neuen Preises ist zwar nicht bekannt, aber wir sprechen aktuell über 3 US-Cents für eine Aufgabe in DeepSeek V4, während Claude Opus 5 bei 2,34 US-Dollar je Aufgabe liegt. Man müsste allerdings den Preis von Opus 4.6 nehmen, um das realistisch zu vergleichen, dafür gibt es in der Originalquelle aber keine Berechnung.
Quellen:
- (Bloomberg) Quant Crash in China Sends DeepSeek Founder's Funds Down 20 %
- (SCMP) DeepSeek signals ‘significant’ price hike amid surge in demand for low-cost AI models
Weiterführende Links (AI generiert):
- Moonshot, DeepSeek, and the Great Chinese AI IPO Rush — Fortune — Hintergrund zum IPO-Kontext: DeepSeek strebt die STAR-Börse in Shanghai an, obwohl Liang Wenfeng Monetarisierung nie als primäres Ziel nannte — Talent-Konkurrenz als Treiber
- DeepSeek IPO lays bare China's shallow capital pool — Reuters Breakingviews — Strukturanalyse: Chinas flacher Kapitalmarkt und staatliche Investoren mit Sonderrechten als Risikovariablen des DeepSeek-IPOs
- China AI Startup DeepSeek in Talks to Raise $1.5 Billion Funding — Caproasia — Zeitstrahl der Bewertungssprünge: Von 20 Milliarden (April) über 50 Milliarden (Mai) auf 71 Milliarden (Juli) — Kontext zur Frage, wie real diese Zahlen sind
Links mit Widerspruch (AI generiert):
- DeepSeek Founder's Fund Slumps 16 % as AI Rout Hits China Quants — Bloomberg — ‹Gegenposition: Der Verlauf zeigt, dass Liang Wenfeng mit über 70 Milliarden Yuan AUM eine erhebliche Kapitalbasis hat — der Quant-Verlust schmerzt, bedroht DeepSeeks operative Finanzierung aber nicht unmittelbar›
- DeepSeek Founder's Quant Fund Tumbles 16 % as AI Stock Rout Hammers China Hedge Funds — BigGo Finance — ‹Gegenposition: HanTak und andere Quants sehen den Einbruch als technisches Marktproblem (simultaner Zusammenbruch von Momentum-, Liquiditäts- und Reversal-Signalen), nicht als strukturelle Schwäche des chinesischen AI-Ökosystems›
Fin
Das war es für diese Woche. Have fun.
- Auf Twitter teilen
- Auf Facebook teilen
- Auf LinkedIn teilen
- Auf Pinterest teilen
- Per E-Mail teilen
- Link kopieren
Auslandsbericht Newsletter
Treten Sie dem Newsletter bei, um die neuesten Updates in Ihrem Posteingang zu erhalten